Das Urheberrecht

Erinnern wir uns noch einmal an das Prinzip des Austauschs:

Einem Werteverbrauch steht eine Wertschöpfung gegenüber:

Menschen erschaffen Werte, die sie anderen gegen Geld verkaufen und dieses Geld können sie dann einsetzen, um Werte für ihren persönlichen Werteverbrauch einzukaufen.

Die Preise regelt der Markt.

Das Prinzip des Austauschs beruht darauf, dass eine Schöpfung (ein erschaffener Wert) dem gehört, der ihn erschaffen hat:

Die Schöpfung gehört dem Schöpfer!

Wäre das nicht so, könnte man ja das, was man an Wert erschaffen hat, gar nicht verkaufen.

Dann hätte man auch keine funktionierende Möglichkeit an Geld heranzukommen für die Deckung des eigenen Werteverbrauchs.

Das Prinzip kann überhaupt nur dann funktionieren, wenn jeder über das verfügen kann, was er erschaffen hat.

Das gilt zum Beispiel auch für Angestellte, die ja freiwillig einen Arbeitsvertrag unterschrieben haben, in dem sie bestimmte Rechte an den von ihnen erschaffenen Werten ihrem Arbeitgeber abtreten.

Aber sie selbst haben diese Erwerbsform gewählt und die Rechte abgetreten. Wollten sie das nicht, könnten sie sich auch selbstständig machen und auf andere Weise über die erschaffenen Werte verfügen.

Auch geistige Schöpfungen stellen einen Wert dar, sei es ein Musikstück oder ein Text.

Wer ein Musikstück oder einen Text oder andere geistige Werte erschaffen hat, kann frei über deren Bestimmung verfügen. Er kann verfügen, dass diese Werte frei und kostenlos verfügbar sind oder auch nicht. Er kann einen Preis festlegen.

Ob auf Grund dieses Preises ein Geschäft zustande kommt, entscheidet der Markt. Aber ob ein Preis an Marktbelange angepasst wird oder nicht, entscheidet der Schöpfer einer Sache. Er kann auch verfügen, dass die Sache gar nicht anderen verfügbar gemacht wird. Dann kommt der Wert allerdings nicht in den Austausch.

Meine Sichtweise ist die:

Das Urheberrecht ist ein universelles Prinzip, das weit über unsere menschliche Welt hinausreicht. Es besagt: "Der Schöpfer einer Sache entscheidet über deren Bestimmung."

Egal wie menschliche Gesetze aktuell sein mögen, eigentlich gilt das Urheberrecht immer. Es bezieht sich in dieser Form auch nicht nur auf geistige Werte, sondern auf absolut alle Werte, die irgendwie erschaffen wurden. Aber bei materiellen Werten ist es im Allgemeinen unstrittig, deswegen wird nicht darüber gesprochen.

Nur bei geistigen Werten wird das Urheberrecht in Frage gestellt. Das hat meines Erachtens nach 2 Gründe:

  1. Geistige Werte werden gegenwärtig eher gering geschätzt. Nur Materiellem wird ein wirklicher Wert beigemessen (was aber vollkommen falsch ist).
  2. Die Fähigkeit, Dinge von Wert zu erschaffen, ist bei vielen Menschen (aus Gründen auf die ich noch zu sprechen komme) gestört, was auch wiederum damit einhergeht, dass geistige Schöpfungen von anderen nicht als Wert anerkannt werden.

Neuerdings gibt es in Deutschland sogar eine ganze Partei, die die Beschädigung des Urheberrechtsgesetzes sogar in ihrem Namen verankert hat.

Das Urheberrecht aushebeln zu wollen ist, als wollte man das Fallgesetz abschaffen. Man schließt damit die Schöpfer geistiger Werte aus dem Wertekreislauf aus und zwingt sie in andere Erwerbstätigkeiten.

Wer sich Zugang zu einer geistigen Schöpfung verschafft, ohne den vom Schöpfer bezeichneten Gegenwert zu leisten, begeht einen Diebstahl.

Es hat in der Geschichte der Menschheit immer wieder teilweise recht erfolgreiche Versuche einzelner Menschen gegeben, in diesen Prozess einzugreifen und anderen ihre Schöpfungen wegzunehmen.

Solche Versuche erleben wir derzeit wieder. Sie begründen ihr Verhalten mit sehr nobel klingenden Behauptungen:

"Wissen muss frei für jeden zugänglich sein"

So, so! Muss es das tatsächlich?

Könnte ich dann nicht auch behaupten "Brötchen müssen frei zugänglich sein"?

Die Kehrseite dieser ach so selbstlos klingenden Behauptungen ist ja, dass sich bestimmte Menschen Zugang zu Werten verschaffen wollen, ohne selbst Werte in das System hineinzugeben.

Es ist eine Form von äußerst egoistischer Bereicherung.

Und dann arbeitet keiner mehr und alle nehmen sich nur noch. Ich bin gespannt, wie lange das funktioniert und bei welcher Lebensqualität. (Ein Teil der Führung der erwähnten Partei lebt das ja sogar vor.)

Eine letzte Anmerkung noch:

Die irrtümliche Geringschätzung geistiger Werte zeigt sich im gegenwärtigen Wirtschaftsgeschehen auch daran, dass es üblich und legal ist, Ideen anderer zu klauen, um sie zu Geld zu machen. Es gibt sogar gesellschaftlich hoch angesehene Unternehmer, deren ganze wirtschaftliche Tätigkeit ausschließlich auf geklauten Ideen beruht, indem sie die Geschäftsmodelle und Produkte anderer einfach 1 zu 1 nachbauen.

Aber auch eine Idee ist ein geistiger Wert. Wer die Ideen anderer zu wirtschaftlichen Zwecken einsetzt, ohne einen Gegenwert zu leisten, begeht in meinen Augen einen Diebstahl, auch wenn die gegenwärtigen Gesetze das nicht ahnden (was wohl daran liegt, dass es im gegenwärtigen Rechtswesen zu schwierig nachzuweisen wäre).

Das darf aber nicht davon ablenken, dass jeder es sehen kann und jeder es weiß, wann ein Produkt oder eine Leistung auf einer geklauten Idee beruht. Im juristischem Sinne mag es schwer nachzuweisen sein, aber Menschen spüren das und Menschen wissen das.

Bleibt nur zu hoffen, dass sie es irgendwann auch in ihren Kaufentscheidungen berücksichtigen, wenn Geld nicht mehr alle anderen (teilweise wesentlich wichtigeren) Werte dominiert.

nächstes Kapitel: Die bösen Reichen (Prinzip des Austauschs)
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