Wachstumsstörungen

Schauen wir uns den Prozess des Wirtschaftswachstums noch einmal ganz im Detail an um herauszufinden, von welchen Störungen er befallen werden kann.

Folgende Schritte laufen beim Entstehen neuer Umsatzströme hintereinander ab:

1. Konzentration
2. Kapazitäten werden frei
3. Innovation (Idee, Vision, Plan)
4. Geldmittel stehen zur Verfügung
5. Realisierung und Markteinführung der Innovation

Und nun die möglichen Störungen der einzelnen Schritte:

  1. Die Konzentration als solches ist ein ganz natürlicher Prozess: Was man permanent tut, tut man unwillkürlich immer besser. Darüber brauchen wir nicht reden. Gut, vielleicht könnte man anführen, dass Investitionen in neue Maschinen freie Geldmittel erfordern, die vielleicht nicht zur Verfügung stehen. Aber meine Einschätzung ist, dass der Prozess der Konzentration an sich kein Problem darstellt.
  2. Aber nun wird es interessant: Kapazitäten werden frei. Hier haben wir das erste richtig große Problem: Kapazitäten dürfen im gegenwärtigen Wirtschaftsgeschehen nicht frei werden. Das ruft die Gewerkschaften auf den Plan. Es bedeutet nämlich Arbeitslosigkeit und das darf es nicht geben. Der Prozess freiwerdender Kapazitäten, die in Innovation überführt wird, ist nur erlaubt, wenn er sich innerhalb des gleichen Unternehmens abspielt. (Und selbst da ist er problematisch, weil Menschen dann innerhalb des Unternehmens die Position wechseln müssen.) Aber über Unternehmensgrenzen hinweg ist der Prozess extrem blockiert. Arbeitslosigkeit wird als ganz schlimme Endstation angesehen anstatt als Chance für einen Neuanfang. Ich möchte an dieser Stelle auf diesen Punkt nicht weiter eingehen, weil ich an späterer Stelle ausführlich darauf zurückkomme.
  3. Die Innovation ist unmittelbar mit dem Freiwerden der Kapazitäten verbunden. Innovation baut auf dem Freiwerden der Kapazitäten auf und ist deshalb von der gleichen Störung betroffen: Der Übergang von den freiwerdenden Kapazitäten zur Innovation funktioniert nicht, weil Menschen sich Innovation nicht zutrauen. Man weiß nicht, wo etwas Neues, am Markt Funktionierendes herkommen soll. Das ist genau der Grund, warum Arbeitslosigkeit so schlimm angesehen wird: Die Innovationsfähigkeit als solches ist gestört. Menschen wissen, nicht, wie das geht, etwas Neues hervorzubringen. Einige wissen es natürlich schon, aber es sind nicht genug, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erzeugen. Auch darauf komme ich an späterer Stelle zurück.
  4. Die Bereitstellung Geldmitteln als Grundlage für die Realisierung von Innovationen ist genau einer der Punkte, an denen Maßnahmen des Staates zur Unterstützung der Wirtschaft ansetzen. Dies geschieht entweder durch Steuersenkungen oder die Bereitstellung von Krediten. Die Bereitstellung der Geldmittel bezieht sich hier auf die Anbieterseite (den Herstellern der Innovationen).
  5. Die Markteinführung ist der zweite Punkt, an dem Maßnahmen des Staates ansetzen. Aber hier geht es darum, der Abnehmerseite (den Käufern der Innovationen) mit Geld auszustatten.

Die Punkte 2 und 3 bedeuten einfach zusammengefasst:

Menschen haben Angst vor einem Ende ihrer bisherigen Tätigkeit, weil sie an eine neue Chance nicht glauben.

Das bedeutet auch:

Menschen halten krampfhaft an Tätigkeiten fest, die schon lange keinen Spaß mehr machen und die auch schon lange nicht mehr wirklich erfolgreich sind und bringen sich damit um eine gehörige Portion Lebensfreude.

Das ist die eigentliche Ursache der gegenwärtigen Wirtschaftskrise, die in ihrer Gesamtheit schon weit über ein Jahrzehnt andauert. Ich möchte diesen Punkt hier noch nicht vertiefen, weil ich in einem späteren Teil des Buches ausführlich darauf zurückkomme.

Zunächst geht es mir erst einmal um die Punkte 4 und 5, denn das sind die Punkte, an denen die gegenwärtige Politik mit ihren Maßnahmen nahezu ausschließlich ansetzt.

nächstes Kapitel: Kredite (Die Wirtschaft ankurbeln)
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Lebensfreude
Innovation
Konzentration